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So schützen Sie sich vor einem Burnout

Vor allem Stress bei der Arbeit kann dazu führen, dass Menschen regelrecht ausbrennen. Welche Symptome ein Burnout verursacht, was Experten zur Vorsorge raten
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 29.03.2017

Auf eine Runde Yoga in den Park: Auszeiten sind wichtig zum Schutz gegen Burnout

F1online

Dienst nach Vorschrift ist nicht drin. Heutzutage erwarten Unternehmen von ihren Mitarbeitern, dass sie für ihre Aufgaben brennen, selbst Routinearbeiten mit Leidenschaft erledigen. Bereitschaft zu Überstunden und zur Erreichbarkeit am Abend werden oft vorausgesetzt.

Kann das auf Dauer gutgehen? In vielen Fällen offenbar nicht. Laut einem Bericht der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2013 fühlt sich jeder dritte Berufstätige in Deutschland erschöpft, regelrecht ausgebrannt. Bei einer Erhebung des Robert Koch-Instituts gaben 4,2 Prozent der Befragten an, dass ein Arzt bei ihnen einmal einen Burnout diagnostiziert hatte – Frauen häufiger als Männer. Auch Gutverdiener waren eher betroffen.

Keine allgemeingültige Definition

Der New Yorker Psychotherapeut Herbert Freudenberger hat den Begriff "Burnout" in den 1970er Jahren erfunden – was übersetzt "ausgebrannt sein" bedeutet. Wirklich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geriet das Konzept aber erst in den 2000er Jahren, als Prominente wie Robbie Williams über ihren Burnout berichteten und die Medien das Thema groß aufgriffen.

Doch was ist ein Burnout überhaupt? "Burnout beschreibt einen Zustand körperlicher und emotionaler Erschöpfung", sagt Professor Clemens Kirschbaum, Biopsychologe an der TU Dresden. Eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition gibt es aber nicht. In der Regel meint Burnout eine Erschöpfung im Berufsleben. Betroffene gehen emotional zunehmend auf Distanz zu ihrer Arbeit, identifizieren sich nicht mehr mit ihrem Job, stehen Kollegen und der Firma zynisch gegenüber.

Burnout ist keine Depression

In der Öffentlichkeit wird der Begriff oft wenig differenziert benutzt und einer Vielzahl von psychischen Problemen übergestülpt – von sogenannten Nervenzusammenbrüchen bis hin zur Depression. Gerade letzteres sehen Experten kritisch. Werde Burnout als eine Art Depression der Leistungsträger betrachtet, führe das zu einer Stigmatisierung von eindeutig an einer Depression erkrankten Menschen, warnte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) 2012 in einem Positionspapier.

Denn während ein Burnout nach einer Auszeit oft wieder verschwindet, benötigen Depressionserkrankte in der Regel professionelle Hilfe, um aus ihrem Zustand wieder herauszukommen. "Ein Mensch mit Burnout will Leistung bringen, kann aber nicht", sagt Kirschbaum. "Ein Mensch mit einer Depression fühlt sich dagegen wirklich leer."

Burnout kann krank machen

"Burnout ist keine Krankheit, sondern ein Risikozustand", sagt Professor Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Er ist einer der Autoren des DGPPN-Positionspapiers. Wer ausgebrannt ist, leidet nicht zwangsläufig unter einer psychischen Krankheit, die einer Behandlung bedarf. Er ist aber dafür gefährdet, im Zuge seines Burnouts zum Beispiel an einer Depression zu erkranken. Auch das Risiko für Bluthochdruck, Tinnitus und Infektionen steigen an.

Umgekehrt kann eine Depression oder andere Krankheit dazu beitragen, dass ein Patient einen Burnout erleidet. Betroffene sollten sich deswegen auf jeden Fall fachgerecht behandeln lassen.

Auf einen Blick: Strategien gegen Burnout

1. Seien Sie sportlich aktiv


2. Ernähren Sie sich abwechslungsreich und gesund

3. Abends keine E-Mails für die Arbeit beantworten

4. Sehen Sie in der Freizeit nicht nur fern, sondern unternehmen Sie etwas


5. Probleme mit der Arbeit nicht mit sich herumtragen, sondern mit Anderen darüber sprechen


6. Nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten


7. Machen Sie Ihr Selbstbild nicht nur an Erfolg im Job fest


Arbeitswelt im Wandel

Doch es greift zu kurz, die Auslöser für einen Burnout nur beim Einzelnen zu suchen. Darin stimmen Berger und Kirschbaum überein. "Die Arbeitswelt überfordert immer mehr Menschen", sagt Psychiater Berger. Unternehmen handeln heute in einem globalisierten Umfeld. Das führt zu erhöhtem Kostendruck, der sich bei Angestellten in Form von vermehrter Aufgabenlast und Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes niederschlägt.

Dazu kommt oft der Zwang zur ständigen Erreichbarkeit, durch den die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Zudem sollen Berufstätige in der Lage sein, ständig Neues zu lernen. "Auch ein Handwerker muss sich heute so gut mit Computern auskennen, dass er eine eigene Webseite betreiben kann", sagt Berger. Gerade ältere Arbeitnehmer überfordern solche ständigen Veränderungen aber.

Statistiken schwierig zu deuten

Führt diese veränderte Arbeitswelt tatsächlich dazu, dass heute mehr Menschen an Burnout erkranken? Psychologe Kirschbaum ist hier vorsichtig mit einer Aussage. "Es gibt keine zuverlässigen Daten darüber, wie häufig Burnout vor 40 Jahren oder früher war", sagt er.

Zumindest in der jüngeren Vergangenheit scheint es aber laut Statistiken der Krankenkassen einen Anstieg der Burnout-Fälle in Deutschland gegeben zu haben. Gemäß den Daten der DAK kam es 2004 pro 1000 Versicherten zu sechs Fehltagen wegen eines Burnouts – 2015 waren es dagegen 43. Und nach dem Gesundheitsreport der BKK stiegen Arbeitsausfälle wegen Burnout zwischen 2004 und 2014 von 4,6 auf 77,6 Tage pro 1000 Berufstätige an.

Solche spektakulären Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Der starke Anstieg dürfte zumindest teilweise daran liegen, dass das Problem Burnout in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren stärker präsent war und entsprechend mehr Menschen und Ärzte die Bereitschaft zeigten, die Diagnose zu stellen. Das könnte auch der Grund dafür sein, warum bei den Auswertungen sowohl von DAK als auch BKK die Zahlen seit 2011 rückläufig sind – das Thema Burnout stand in diesem Zeitraum weniger im Fokus.

Psychische Widerstandskräfte stärken

Wie auch immer die Statistiken genau zu deuten sind: Psychiater Berger erwartet nicht, dass Burnout in der Zukunft seltener wird. Die gegenwärtigen Tendenzen in der Arbeitswelt lassen sich kaum umkehren. Eine Maßnahme, um auf gesellschaftlicher Ebene vorzusorgen, könnte sein, betriebliches Gesundheitsmanagement stärker zu fördern. Bei diesem unterstützen Unternehmen ihre Angestellten dabei, gesünder zu leben. Das verbessert mittelfristig die Resilienz der Beschäftigten. So bezeichnen Psychologen die Fähigkeit, mit Stress und belastenden Situationen besser umzugehen.

Denkbar ist, die Vorsorge aber auch schon viel früher anzusetzen: Schüler könnten schon im Unterricht lernen, wie sie besser mit Stress und psychischen Problemen zurechtkommen, schlägt Berger vor. "Unsere Kinder verlassen als psychologische Analphabeten die Schule", klagt er.

Burnout vorbeugen

Weil kaum einer gelernt hat, auf die Signale seines Körpers zu hören, bemerken auch nur wenige, dass sie auf einen Burnout zusteuern. "Dabei ist Prävention effektiver als eine Therapie", sagt Kirschbaum. Meist kommt es darauf an, die Prioritäten im Leben anders zu setzen. Eine hohe Arbeitszeit allein führt noch zu keinem Burnout. Gefährlich wird es dagegen, wenn ein Berufstätiger seine Selbstbestätigung vor allem über den Job sucht. Bleiben Anerkennung und Beförderung trotz Einsatz aus, schlägt die Identifikation irgendwann in Resignation um und der Betreffende bleibt ausgebrannt zurück.

Sport oder ein Hobby können dabei helfen, Stress abzubauen. Soziale Kontakte beugen ebenfalls einem Ausbrennen vor. Bewährt haben sich zudem Achtsamkeitstraining und Entspannungsverfahren. Außerdem bieten Krankenkassen Präventionskurse gegen Burnout an. Kehrt trotz allem die Freude an der Arbeit nicht zurück, sollte der Betreffende sich überlegen, sich nach Alternativen umzuschauen sowie gegebenfalls tatsächlich die Reißleine ziehen und seinen Job kündigen.

Kleine Änderungen bringen viel

Derzeit leitet Biopsychologe Kirschbaum an der TU Dresden ein Forschungsprojekt, das Marker auffinden soll,  die mit erhöhter Burnout-Gefahr einhergehen. Kirschbaum hofft, dass sich so viele Ausbrüche künftig im Vorfeld vermeiden lassen. Interessierte können sich laufend an der Studie anmelden. Sie erhalten eine Rückmeldung, wie es um ihre persönliche Belastung bestellt ist. Hier kommen Sie zur Homepage der Studie.

Die Studie läuft insgesamt über zwölf Jahre. Bis es aussagekräftige Ergebnisse gibt, können Berufstätige zum Beispiel darüber nachdenken, ob unerledigte E-Mails am Abend nicht doch auf den nächsten Tag warten können. Im Urlaub das Postfach am besten gar nicht erst checken. "Am Strand einfach einmal den Stecker ziehen", sagt Kirschbaum. Im Kampf gegen Burnout helfen dem Einzelnen oft schon kleine Neujustierungen im Alltag.

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Bildnachweis: Fotolia/OrpheusXL, F1online

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